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Hinterdupfing
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Beurteilung:
Datum:

Herrschaft Zeit´n
04.02.2011


Der vorliegende, trotz einiger Dramatik doch überwiegend komödienhafte Heimatfilm stellt die altbekannten Ressentiments zwischen Norddeutschen und Bayern in den Mittelpunkt. Diese sind aus zahlreichen Komödien oder Witzen bereits hinlänglich bekannt und werden inhaltlich anhand der Rivalitäten verschiedener Jugendlicher im Film aufbereitet.
Abgesehen von der verbalen Ebene, in der betont Mundart gesprochen wird, prägen den Film durch die Jugendlichen bewusst gepflegte Ressentiments, die wenig Toleranz erkennen lassen. Diese Haltung wirkt aber durch die Einbettung in den komödienhaften Stil eher überzeichnet.
Dennoch beinhaltete der Film einige bedenkliche Szenen. Abgesehen von den zwar teilweise persifliert, aber doch latent aufrecht gehaltenen Ressentiments, sind hier vor allem die körperlichen Auseinandersetzungen zu nennen. Die Kontrahenten stehen sich dabei stets mit Gegenständen wie Schraubenzieher, Ringschlüssel oder Mistgabel gegenüber, um diese im Kampf einzusetzen. Auch der Schlag eines Curls gegen den Kopf eines anderen Jungen zeigt eine bedenkliche Darstellung von Gewalt. Diese Bewaffnungen gipfeln letztendlich in dem Einsatz einer Feuerwaffe. Auch die später in einer kurzen Szene dargestellten Überlegungen, den Täter zu töten um Franz zu rächen, spielen mit sozial inadäquaten Rachegedanken.
Hinzu kamen einige verwirrende Bilder in Franz' Traum. Zu sehen ist beispielsweise in einer kurzen Einstellung, wie sich zwei Mädchen aufhängen. Diese Bilder sind zwar visuell durch eine andere Einfärbung verfremdet, entfalten aber trotzdem kurze erschreckende Momente, die verstörend wirken können.
Aufgrund der Laiendarsteller, die allesamt selbst noch sehr jung sind, wird auch eine gewisse Nähe zu jungen Betrachtern hergestellt. Diese altersgemäße Nähe zu den Hauptdarstellern hemmt aber eine kritischere Betrachtung derer Ressentiments und Kämpfe. Dies erschwert eine distanzierte Rezeption zu genannten bedenklichen Szenen.
Kindliche Rezipienten müssen deshalb über ausreichend mediale sowie emotionale Erfahrung verfügen, trotzdem eine kritisch distanzierte Haltung einzunehmen. Hierzu bedarf es einer gewissen sozialen Reife, derartige Ressentiments, Rivalitäten sowie Kämpfe kritisch hinterfragen zu können. Dies würde sicherstellen, den Film eher als von Laiendarstellern gespielte Heimatkomödie zu betrachten.
Sechsjährige Kinder dürften aufgrund ihrer noch nicht ausgeprägten medialen Reife den komödienhaften, teils auch ironischen Hintergrund nicht erkennen und zu sehr auf der visuellen Handlungsebene mit den Kämpfen verhaftet bleiben. Dadurch bekommen die Rivalitäten eine sozial inakzeptable Qualität. Auch der Todesfall sowie die Selbsttötung der Mädchen lassen eine zumindest kurzzeitige Verstörung nicht ausschließen. Zudem fehlt dieser Altersgruppe noch eine gewisse soziale Reife um zu erkennen, dass einerseits die gezeigten Ressentiments kritisch zu betrachten sind und andererseits in Konfliktfällen keine Gegenstände als Waffen zu benutzen sind. Dies könnte auch einen unerwünschten Nachahmungseffekt hervorrufen.
Kinder ab zwölf Jahren sind aufgrund ihrer sozialen Entwicklung sowie medialen Erfahrung in der Lage, entsprechende Rahmungskompetenz zu entwickeln, um den Film genregerecht einzuordnen. Sie erkennen die Laiendarstellung und können zu den bedenklicheren Inhalten eine distanziert kritische Haltung einnehmen.

Wegen der Kämpfe mit Waffen sowie den Realitäts-Nähe vermittelnden laienhaften Darstellern wird befürchtet, dass sich Kinder mit sechs Jahren noch zu sehr von den bedenklichen Szenen vereinnahmen lassen. Ebenso sind verstörende Momente nicht auszuschließen. Für Kinder ab zwölf Jahren bestehen diese Befürchtungen wie oben dargelegt nicht mehr. Aus diesen Gründen war auch keine höhere Altersfreigabe, etwa ab 16 Jahren, zu prüfen.

Ergebnis: freigegeben ab 12 (zwölf) Jahren